Verein zur Förderung innovativer Rechnertechnologien in der Entwicklungshilfe

Village Scribe Association

   Dorfschreiber Verein

 

Das Dorfschreiberprojekt

Um aus diesem Dilemma herauszukommen, kann widerum der Dorfschreiber die Position der Schnittstelle zum Internetservice einnehmen und so dazu beihelfen, Einkommen zu erzeugen. Es gibt mehrere eCommerce Modelle, die zu diesem Zweck untersucht werden sollen. Zum einen gibt es das Business-to-Client (B2C) Modell, in welchem die Unternehmen ihre Dienstleistungen über das Internet an ihre Kunden verkaufen. Möglich ist hier z.B. der Verkauf von Sprechzeitguthaben für Handys oder von Sterbegeldversicherungen. (Aus kulturellen Gründen sind Bestattungen sehr wichtig, und solche Versicherungen werden sehr häufig abgeschlossen.) Zum anderen gibt es das Client-to-Client (C2C) oder Direktverkaufsmodell nach dem Vorbild von eBay. Dieses Modell wird derzeit beispielsweise von der Universität von Fort Hare und ESTIMA untersucht. Möglich wäre ein Handel mit Handwerksstücken, aber auch die ländliche Umwelt mit ihren sanft geschwungenen Hügeln und ihrem stolzen Naturerbe ist eine wertvolle Ressource, die auf verschiedenste Art und Weise, z.B. in Form von Kunstgegenständen, in Verbindung mit Musik, Prosa oder Folklore oder für umweltfreundlichen Tourismus vermarktet werden kann. Diese Art von wenig eingreifender Industrie ist wichtig und notwendig, um die natürliche Umwelt zu erhalten, besonders im Angesicht von stark eingreifenden Industrien wie der Titanium-Tagebau in den Dünen bei Xolobeny.

Die eCommerce Software wird ebenfalls in Kooperation von ESTIMA (Reed House Systems)  und den Dorfschreibern entwickelt. Sie soll den Handlungsspielraum für Handel erweitern, Einkommenerträge erhöhen und letztendlich Arbeitsplätze erhalten und schaffen. Der Dorfschreiber würde in diesem Falle den Handwerkern und Händlern mit ihrer Internetpräsenz helfen und dafür eine Provision bekommen, mit der sie sich finanzieren können.

Wie beim eGovernment Projekt werden auch hier hauptsächlich die soziale und die ökonomische Säule sowie die Säule des Führungsverhaltens gefördert. Zusätzlich stärkt eine solche Aktivität die umweltbezogene Säule der Nachhaltigkeit.

Das eCommerce Projekt: Menschen ernähren

Nah verwandt zum eGovernment Projekt und ebenfalls von Dorfschreiber geführt, erlaubt das eCommerce Projekt verschiedenartigste Modelle elektronischen Handels, die die Gemeinde direkt und auf fairem Wege auf den globalen Marktplatz befördert. Bisher hat der Markt die Regeln vorgeschrieben und es den MRAs damit sehr schwer gemacht. Mit der eCommerce Software wird die Gemeinde in der Lage sein, Teil des globalen Marktplatzes zu werden und davon zu profitieren.

Hintergrund und Kontext: Das Fehlen von Arbeitsplätzen ist ein enormes Problem in den MRAs. Es führt dazu, dass die arbeitsfähigen Menschen in die Städte emigrieren und die Älteren und die Jugend zurückläßt. Die Gesellschaft bricht auseinander, weil Familien aufgespalten werden. Typischweise verlassen die schlauesten und progressivsten Familienmitglieder die Gemeinde, die damit einer sehr wichtigen Ressource beraubt wird, ihren Menschen. Zwar sichert ein Beihilfesystem (staatliche Subventionen), z.B. die Altersrente und die Kinderfürsorge, deren auskommen , aber dieses Geld ist Segen und Fluch zugleich. Auf der einen Seite bringt es endlich all die Steuergelder wieder zurück an die Basis. Auf der anderen Seite unterdrückt es die Kreativität in den MRAs. Typische afrikanische Arbeit ist Land- und Viehwirtschaft, selbständiges Handwerk und Handel. Diese Form von Arbeit scheint im Angesicht der Beihilfe zu beschwerlich. Aber ein Leben in Abhängigkeit von Beihilfe scheint das Selbstvertrauen, die Moral und das Selbstbild der Menschen in den MRAs zu schmälern, so wie überall auf der Welt.

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